Zunächst einmal muss man sich das Religionsverständnis der Antike und des frühen Mittelalters anschauen. Die Götter hatten danach die Pflicht, für das Wohlergehen des Staates zu sorgen. Vernachlässigten sie diese Pflicht, so hatten sie auch keinen Anspruch mehr darauf, verehrt zu werden. Dies hatte im dritten Jahrhundert zum Aufstieg des Christentums geführt: Die römischen Kaiser waren praktisch Militärdiktatoren, die durch Mord am Vorgänger an die Macht kamen und innerhalb kürzester Zeit ebenso endeten. Die „Barbaren“ eroberten immer größere Teile des Reichs. In den Augen der Römer hatten die Götter bei ihrer Aufgabe, das Reich zu beschützen, versagt, weshalb sie sich neuen Göttern zuwandten. So konnte das Christentum immer mehr Anhänger gewinnen.

 

 Bekanntlich wurde unter Kaiser Konstantin Anfang des 4. Jahrhunderts das Christentum zur führenden Religion im Reich. Da das weströmische Reich dadurch aber kaum stabilisiert wurde und die Germanen immer größere Teile des Reichs eroberten, verlor das Christentum im 4. und 5. Jahrhundert aus demselben Grund Anhänger, aus dem es im dritten stark geworden war.

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Nach der Eroberung Roms 476 behielten die Goten, die als erste in Italien herrschten, das römische System zunächst bei. Auch die römische Kultur ging nicht sofort verloren. Da allerdings die germanischen Reiche der Völkerwanderungszeit wenig stabil waren und die Goten ihre führende Stellung an andere, weit weniger kultivierte Stämme wie die Langobarden oder die Franken verloren, gerieten viele Kenntnisse der Römer wie etwa der Bau von Straßen und Wasserleitungen, aber auch die Schrift, in Vergessenheit.

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 Zudem änderte sich die Bevölkerungsstruktur. Während in der Antike die meisten Menschen in Städten gelebt und die Dörfer sich als Umland einer Stadt definiert hatten, gab es in der Heimat der Germanen kaum Städte, weshalb sie mit dieser Lebensweise nichts anfangen konnten. Die meisten Menschen lebten verstreut in kleinen Dörfern, als Verwaltungssitz diente die Burg des Fürsten.

 

 Dies hatte auch Folgen für die kirchliche Organisation: Im römischen Reich saß in jeder befestigten Stadt ein Bischof, die Ältesten - unser Wort "Priester" kommt vom griechischen Wort  πρεσβύτεροι, sprich "presbüteroi", was die Bibel mit "Älteste" übersetzt - und die Diakone, die für die sozialen Dienste zuständig waren, die Dörfer der Umgebung betreuten. Noch heute sind etwa in Italien die Diözesen wesentlich kleiner als in Mitteleuropa und manche Bischöfe nach unseren Vorstellungen bessere Dorfpfarrer. Diese auf Städte bezogene Kirchenstruktur konnte in den Reichen der Völkerwanderung nicht mehr erhalten werden.

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 Anders als Römer, Kelten und andere Völker kannten die Germanen keinen Priesterstand. Die Herrscher hatten gleichzeitig die Verantwortung für die religiösen Pflichten. Daher konnten sie auch über die Religion ihrer Untertanen bestimmen. Im Frankenreich war das ein Vorteil für die katholische Kirche, da König Chlodwig schon um 500, 200 Jahre vor Bonifatius, den katholischen Glauben angenommen hatte. Viele andere germanische Stämme, wie Vandalen, Goten oder Langobarden, waren zwar Christen, aber keine Katholiken, sondern Arianer, d.h. sie erkannten nur Gott Vater, nicht aber Jesus Christus als wahren Gott an. Dass die Langobarden in Norditalien ihr Reich gegründet hatten, machte die Lage auch für den Papst schwierig.

 Die nördlichen und östlichen Germanenstämme wie Sachsen und Friesen waren noch heidnisch. Ihr Einfluss an der Ostgrenze des Frankenreiches, etwa im heutigen Hessen und Thüringen, war groß, zumal dort die Angehörigen unterworfener Stämme wie der Chatten lebten, die mit den christlichen Herrschern wenig zu tun haben wollten.

 In den Jahren vor 700 war eine neue Gefahr nach Europa gekommen: Die Araber waren aus ihrer Heimat ausgezogen und hatten ohne nennenswerten Widerstand Nordafrika und Spanien erobert. Erst in den Franken erhielten sie ernsthafte Gegner und wurden 732 schließlich von Karl Martell, dem Großvater Karls des Großen, bei Poitiers geschlagen.

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 Karl Martell war nicht König, sondern Hausmeier, Verwalter des Frankenreiches. Das Königsgeschlecht der Merowinger hatte immer mehr Macht verloren, sodass Karls Verwandte, die Karolinger, die eigentlichen Herrscher waren. Dennoch standen viele Adelige auf Seiten der Merowinger, was zu Konflikten führte.

 Ein spezifisch fränkisches Problem war die Erbteilung: Wenn ein Herrscher starb und mehrere Söhne hinterließ, trat nicht einfach der älteste an seine Stelle, wie es erst im Hochmittelalter üblich werden sollte, sondern das Reich musste unter den Söhnen aufgeteilt werden. So zerfiel das Frankenreich immer wieder in verschiedene Herrschaftsgebiete, wodurch die Zentralgewalt geschwächt wurde.

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